Uwe Dannwolf – der Blick hinter die grüne Fassade
Uwe Dannwolf ist Geologe, Hydrogeologe und seit rund 35 Jahren im Boden- und Grundwasserschutz tätig. Beruflich beschäftigt er sich mit kontaminierten Böden, Wasserchemie und den Spuren, die menschliches Handeln in unserer Umwelt hinterlässt. Aus dieser Erfahrung heraus ist sein Projekt „fassadengrün“ entstanden.
Der Anfang war unspektakulär – und gerade deshalb so eindrücklich: ein Blick aus dem Fenster im Oberland. Auf Wiesen, Felder, Ställe, Moore und eine Landschaft, die auf den ersten Blick idyllisch wirkt. Doch Uwe Dannwolf stellte sich die Frage: Was steckt aus Umweltsicht eigentlich hinter diesem Bild?
Aus diesem Blick wurde eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Themen wie Bodenverdichtung, entwässerten Mooren, Pestiziden, Mikroplastik, PFAS, Nitratbelastung, Artensterben, Lichtverschmutzung, Landschaftszerschneidung und dem Verlust lebendiger Böden. Uwe Dannwolf geht es dabei nicht um Alarmismus, sondern um einen ehrlichen, fachlich fundierten Blick auf das Ganze. Viele Umweltprobleme werden einzeln betrachtet – doch in der Realität wirken sie gleichzeitig und verstärken sich gegenseitig.
Genau hier setzt fassadengrün.org an: Die Plattform bündelt frei verfügbare, unabhängige Informationen und macht sichtbar, was oft hinter der schönen Oberfläche verborgen bleibt. Zugleich möchte das Projekt Menschen nicht mit der Problematik alleinlassen. Es zeigt auch, was Einzelne, Unternehmen und Kommunen konkret tun können – im Kleinen wie im Großen.
Unterstützt wird Uwe Dannwolf dabei von seiner Partnerin Alexandra Winzenhöller und von Stefan Werner, der die Website gestaltet und mit aufgebaut hat.
Am kommenden Sonntag ist Uwe Dannwolf mit fassadengrün auf dem Klimamarkt in Murnau vertreten. Dort informiert er am Stand über das Projekt und hält außerdem einen Vortrag mit dem Titel:
„Die Illusion der Unberührtheit“
Ein Vortrag für alle, die genauer hinschauen möchten – hinter die grüne Fassade unserer Landschaft.
Interview
Ein Interview mit Uwe Dannwolf, Initiator von fassadengrün.org
Alexandra: Okay, dann machen wir jetzt einen ganz spontanes Interview mit dir, mein Sonnenschein, um zu verstehen, wie es zu dem Projekt kam.
Du bist jetzt am Sonntag beim Klimafrühling im Monat mit dabei. Was machst du da und wie kam es dazu?
Uwe: Ja, das ist relativ einfach. Ich dachte irgendwann mal als ich aus dem Fenster geschaut habe, welche Themen sind eigentlich mit dem, was ich sehe aus Umweltsicht verbunden? Ich habe zuerst auf den Kuhstall geschaut und auf den Kuhstall kommt Methan raus. Dann habe ich gedacht, okay, was passiert eigentlich mit der Gülle, die danebendran gesammelt wird Ja, das wird einfach auf die Äcker gebracht. Was beinhaltet die? Die hat jede Menge – natürlich – Nitrat drin und andere Spurenstoffe, die die Kühe ausscheiden, von ihren wöchentlichen Tierarztbesuchen, die sie da haben. Dann haben wir einfach gesehen, dass der überwiegende Teil von unserer Umgebung hier im Oberland aus Grünland besteht. Und wir eigentlich das nicht nur an einer Stelle haben, sondern eigentlich überall, dann wohnen wir nebendran, im Moos und das ist bis auf einen ganz kleinen Bereich, der vielleicht 5% von der Gesamtmenge ist oder von der Gesamtfläche ist, komplett entwässert. Da haben wir eine Bodenverdichtung. Wir haben keine Rückhalte mehr für irgendwelche Überschwemmungswellen. Eine Entwässerung des Moos produziert noch viel mehr Methan und das ist schon gar nicht mehr in der Lage, überhaupt CO2 oder sowas zu speichern. Dann dort, wo wir Felder haben, haben wir Maisfelder, also lauter Monokulturen. Wir haben keine Blühstreifen mehr. Dazu kommt, dass wir an den Stellen, wo Landwirtschaft da ist, eigentlich kein Oberboden mehr haben. Es gibt keinen Humus mehr, es leben keine Mäuse mehr da. Und auf diesen Untersuchungen, die wir gemacht haben, auf Feldern – Wir haben einfach gesehen, dass wir jeden Tag nur noch drei Regenwürmer, ein paar Mäuselöcher hier finden. Wenn man eine Woche lang draußen ist, eine (!) Feldlerche Und die Felder sind zum Teil mit Saaten bestellt. Wo man durchläuft, wird die Hose rot und man hat überhaupt keine Ahnung, warum einem da die Luft wegbleibt.
An anderer Stelle wird man mit Glyphosat besprüht. Wir haben Felder gesehen, die zu 50 Prozent aus Plastik bestanden, weil Joghurtbecher geschreddert wurden. – Gleichzeitig haben wir einen Vogelsterben aufgrund auch der wenigen Insekten, die noch da sind. Und das war dann auch klar, dass die Pestizide bzw. Insektizide, funktionieren ja nicht so, dass die Insekten nur aufgrund des Draufsetzens auf irgendeinem Blatt gleich tot umfallen, sondern das ist wie perfide, das System durch die Aufnahme, durch das Verweilen auf einem Blatt oder einer Blüte, wird denen Wirkstoff quasi mitgegeben, dass sie sich nicht mehr reproduzieren können. Und das ist natürlich unglaublich, weil – dann braucht einen das nicht wundern, dass es nicht funktioniert. Und Gott sei Dank waren die Mittel augenscheinlich nicht so effizient, dass sie die alle umgebracht haben, aber wir haben trotzdem einen signifikanten Rückgang. Und dann gibt es eigentlich in Deutschland keine veröffentlichten Zahlen über die Auftragsmenge von Pestiziden. Bayern hat zwar ein Pestizidregister eingeführt. Ich habe es aber nicht einsehen können. Und das Monitoring von Pestiziden im Grundwasser findet nur ganz sporadisch statt und nur an ganz wenigen Messstellen, sodass man da als Arbeit unbedingt ableiten kann, dass, positiv Beweis erbracht wird, dass wir kein Problem haben, sondern wir haben so einen, vielleicht falsch negativen Positivbereich oder Beweis.
Zudem haben wir ja durch, unserem Medikamenten, die wir aufnehmen und Hormontabletten, die zur Empfängnisverhütung verabreicht werden Eine signifikante Spurenstoffbelastung im Abwasser und da unsere Kläranlagen nicht auf diese Systeme ausgerichtet wurden, dass sie diese Spurenstoffe wirklich zerstören, resultiert daraus eine signifikante Fracht von eben diesen Anthropogenen Spurenstoffen ins Abwasser und wenn man Glück hat, wird es über den Feststoff, also den Klärschlamm in gewisser Weise adsorbiert und dann allerdings wieder auf die Felder aufgebracht oder zur Verbrennung gefahren. Oder – der Teil, der eben eine höhere Wasserlöslichkeit hat, geht direkt in die Flüsse und von dort quasi wieder zurück ins Ökosystem. Und wird unterwegs natürlich auch noch von der Nahrungskette aufgenommen. Und sozusagen der Kreislauf wieder geschlossen. Zudem haben wir noch weitere Themen wie diese Bewirtschaftung, ich habe es vorher gesagt, wir finden auf den Äckern, wo intensiv Ackerbau und jetzt mal kein Grünland passiert, keine Oberböden mehr. Wir haben keinen Kohlenstoff mehr, wir haben nur noch weiße und blaue Kügelchen, die quasi den Dünger ist. Auf den Grünlandflächen haben wir dafür bis zu sieben Mahden im Jahr. Es fängt quasi schon vor Mai an, sodass da auch keine Möglichkeit mehr gibt, dass Insekten da irgendwelche Blüten finden und die einzigen Blüten, die da noch da sind, ist der Löwenzahn. Und es gibt mittlerweile auch schon Äcker, wo nicht mal mehr der wächst, weil der selbst da noch überdüngt wird.
Dann haben wir noch einen Gülletourismus. Also das Flächen schon verkauft werden oder nicht angekauft werden von den Gemeinden und Kommunen, dass die Holländer eben nicht ihre Gülle quasi nach Oberbayern fahren, was zum Teil mir auch von Nachbarn in Uffing berichtet wurde, die nachts eben bis zu vier Tankwägen an Gülle vor ihrem Haus sehen, die dann über Nacht entleert werden auf den Feldern.
Ja, zu guter allerletzt haben wir das Thema PFAS und Ewigkeitschemikalien. Die kriegt man mittlerweile auch über den Regen serviert. In nicht unerheblicher Menge, was die ganze Sache auch nicht unbedingt zuträglicher macht. Sie sind ohnehin in jedem fast jedem Alltagsgegenstand drin. Perverser weise gibt es schon PFAS-basierte Pflanzenschutzmittel, um die Ewigkeit noch länger zu machen.
Und dann gibt es noch so ein kleines Thema Mikroplastik. Es regnet mittlerweile auch Plastik, sodass alles, was irgendwie unterwegs irgendwie weggeschmissen wird und der Reifenabrieb von Autos oder Schuhsohlen von Wanderern, hat alles negativen Impact, auf das Ökosystem, weil die kleinste Lebewesen das Zeug zum Teil einfach in ihre Mägen mit einbauen und damit auch nicht mehr sich reproduzieren können.
Alexandra: Ja, das war jetzt ein langer Blick aus dem Fenster mit vielen Gedanken dahinter. Was du nicht genannt hast, war die Landschaftszerschneidung und die Lichtverschmutzung, die hast du ja auch auf deinem Programm. Und wie kam es jetzt dazu, dass du das alles, was dir so durch den Kopf gegangen ist, gebündelt hast und beim KlimaFrühling dabei sein wirst – und was ist daraus noch entstanden.
Uwe: Ja, weil ich einfach festgestellt habe, dass diese ganzen Lasten, die ich gerade aufgezählt haben, das sind Flächenlasten. Das heißt, die kommen über einen Großteil, wenn schon PFAS regnet und Mikroplastik regnet, dann kriegen wir das an jeder Stelle, an jedem Ort auf der Welt ab. Und wenn man sich diese Themen immer nur, und das machen die meisten Experten, immer nur von ihrer Warte aus anschauen, dann hat man kein Bild mehr fürs Ganze. Also Wenn jemand nur die Pflanzenschutzmittel anschaut und andere schaut sich nur den Kohlenstoffverlust an, ist es schon ein Forschungsfeld und eine Aufgabe in sich. Aber dass wir diese Sachen quasi multiplizieren mit den anderen Themen, die mir oben rauf legen, das macht einfach ein komplett anderes Bild und das ist quasi dystrophisch. Mm- Und das war der Hintergedanke. Ja, weil es einfach so brutal ist, dass wir endlich mal aufwachen müssen, das Ganze Tun, was wir machen, nicht einfach so hinnehmen, sondern wirklich uns Gedanken machen, können wir diesen Lebensstil, diese Verschmutzung so unsere Nachfahren, unseren Kindern und Enkeln überlassen. Und das kann, wir sind eh schon am Überschreiten von Kipppunkten. Das Klima kippt etc. Wir können es zu Tode fahren. Dann ist so. Aber es wird nicht besser werden. Und wenn man keine Aufmerksamkeit hat und wenn die Leute nicht wissen, dass es eben so viel Impact ist und nicht immer nur singulär. Mm-hmm. Nur dann, denke ich, haben wir eine Chance, irgendwas zu verändern.
Alexandra: Genau, also der erste Gedanke war eben darüber zu informieren, wie vielschichtig die Problematik eigentlich ist. Traurigerweise, aber dein zweiter Gedanke war ja, die Leute, mit dem Traurigen Wissen nicht alleine zu lassen, sondern ihn ein bisschen was zumindest mitzugeben, wo wir ansetzen können. Einfach da, wo wir sind in unserem Bereich, im Kleinen, jeder für sich.
Uwe: Ja, sprichst du einen wichtigen Punkt an, Den haben wir wie folgt angegangen. Wir sind bewusst hergegangen und haben für jeden dieser, ich mal, ich habe jetzt mal nur zehn Themen genannt, es gibt sicherlich noch viele weitere dazu, die man auch noch nennen kann. Aber für diese Themen haben wir kleine Hilfestellungen gegeben dahingehend, was kann der Einzelne machen? Was kann, ein Geschäftsführer machen, der einen kleinen Betrieb hat, irgendein mittelständisches Unternehmen. Wie kann er sich positionieren zu diesen Themen? Wie kann er eine kleinste Sachen ändern, Handwaschpaste nicht mehr mit Kunststoffpartikeln zu verwenden. etc. pp. Und letztendlich ist uns aber bewusst, dass das große Rad von der Politik wirklich gedreht werden muss. Und die Umsetzung von diesen, sage mal, wenn die Politik sich wirklich rantraut an diese Themen und nicht weiterhin, den Kopf in den Sand steckt und sagen, ich will gar nichts davon wissen, dann müssen das auch die Kommunen umsetzen. Deswegen haben wir auch Vorschläge erarbeitet, wie die Kommunen Maßnahmen dann ergreifen können und Vorschläge machen können, die sie dann finanziert bekommen müssen.
Alexandra: Wo finde ich diese Vorschläge? Da ist am Sonntag der Klimamarkt in Murnau und dann ist der rum, und was mache ich dann?
Uwe: Ja, danach wollen wir die Leute ja auch nicht allein lassen, sondern wir verteilen kleine Kärtchen. Und auf den Kärtchen gibt es einen QR-Code, der da heißt fassadengrün.org mit Ü. Und da findet man eigentlich die gesamten Informationen über alle diese Themen in gebündelter Art und Weise Und komplett frei von irgendwelchen kommerziellen Interessen, sondern wirklich nur auf staatlich frei verfügbaren Quellen, aber zusammengetragen und zusammengepaart mit der Erfahrung, die ich jetzt nach 35 Jahren Berufserfahrung im Bereich Boden- und Grundwasserschutz mitbringen.
Alexandra: Genau, das wäre meine nächste Frage. du hast am Anfang gesagt, als du über die Felder gegangen bist bei deiner Arbeit. Was machst du auf den Feldern? Warum bist du auf den Feldern? Was bringst du mit als beruflichen Hintergrund?
Uwe: Ja, ich bin gelernter Geologe oder Ingenieur und Hydrogeologe mit Schwerpunkt Wasserchemie und zu diesem Zeitpunkt, als wir diese Felder begangen haben, haben wir für das Wirtschaftsamt Proben genommen, um auf PFAS zu analysieren. da ist es natürlich dem Geologen nicht verschlossen geblieben, wie der Acker eigentlich ausschaut und wie der Acker ausschauen müsste. Und das ist eigentlich das Thema. Und hauptberuflich quasi machen wir wirklich Boden- und Grundwasserschutz. Das heißt, wir sanieren Böden, die von anderen Kontaminationsquellen außer diesen genannten als die kleinen Punktquellen bei Industrieunternehmen kontaminiert wurden mit quasi handelsüblichen Schmierstoffen, Brennstoffen oder Entfettungsmitteln.
Alexandra: Nochmal zurück zum fassadengrün.org. Der Name ist schön. Wie kam es dazu? Was bedeutet der?
Uwe: Ja, der Name ist sehr schön. Meine Partnerin hat da sehr tatkräftig mitgewirkt an den Überlegungen und er will einfach nur verdeutlichen, dass wir eine grüne Fassade von wunderschönen Fettwesen und Nährstoffarmen Wiesen vor uns haben, die total schön ausschauen, wenn die Löwenzähne blühen und dann hat man dieses idyllische Glück, Blick und Vorstellung vom AlpenVorland, von den Alpen, die jeder so toll findet. Schaut mal jedoch hinter die Fassade ist genau das Bild, was ich eben skizziert habe. Eigentlich da dahinter und das tut leider weh.
Alexandra. Hm- okay. Wir haben gestartet oder du hast gestartet mit den Worten, das ist eigentlich ganz einfach, was du dabei gedacht hast. So einfach ist es dann offensichtlich doch nicht das Thema. Und wenn ich mir jetzt anschaue, was du draus gemacht hast mit Webseite und allem, macht man auch nicht einfach so. Wer steckt da noch dahinter? Wer ist denn deine Helferlein?
Uwe: Ja, die Helferein ist meine Partnerin, die Alexandra Winzenhöller und der Stefan Werner. Und der Stefan Werner, der hat sich bereit erklärt, als frisch gebackener Rentner, aber Webseitendesigner, die Webseite zu machen und die mit Leben zu füllen. Und das wirklich unermüdlich. Genauso wie meine Partnerin auch, mal, diese stressvolle Zeit in den letzten vier Wochen wirklich zu überstehen und ein Produkt zu präsentieren oder zu ermöglichen, dass man jetzt auch weiterreichen können.
Alexandra: Coole Sache. Dann drücke ich dir die Daumen für den Sonntag und wünsche dir lieber Uwe alles Gute dafür!
Interview mit Alexandra Winzenhöller
DaWinzi_Zauberhaftes aus der wilden Kräuterküche

