Gedanken zum Naturschutz


Antropogene Spurenstoffe

Frosch Anthropogene Spurenstoffe

Anthropogene Schadstoffe in Gewässern: Risiken und Handlungsansätze im Oberland

Anthropogene Schadstoffe sind vom Menschen hergestellte oder genutzte Stoffe, die in sehr kleinen Mengen in Bächen, Seen, Grund- oder Trinkwasser vorkommen können. Dazu gehören hier vor allem Humanarzneimittel, Tierarzneimittel, Antibiotika, Korrosionsinhibitoren, Röntgenkontrastmittel und künstliche Süßstoffe. Die wichtigsten Eintragspfade sind Haushalte, Kliniken, kommunale Kläranlagen, Mischwasserentlastungen sowie Tierhaltung und Gülle. Für das Oberland ist besonders gut belegt, dass Tierarzneimittel unter bestimmten Bedingungen über Dränung, Makroporenfluss und Bodenwasserbewegung bis in Sickerwasser und einzelne Fassungsbereiche gelangen können [1], [2], [4], [6].

Empirische Einordnung

KennzahlBefundEinordnung
Deutschland> 2.500 Humanarzneimittelwirkstoffe; > 30.000 t/Jahr, davon 9.000 t/a umweltrelevantrund 9.000 t gelten als potenziell umweltrelevant [2], [3]
Deutschland529 t Antibiotika in der Tiermedizin (2023)Tierhaltung bleibt wichtiger Eintragspfad [4]
BayernArzneimittelwirkstoffe und Metaboliten werden überwachtweiter keine allgemein verbindlichen Umweltqualitätsnormen [3], [5]
Oberland/OberbayernArzneimittelwirkstoffe und deren Abbauprodukte sowie Inhaltsstoffe der SpülmaschinentabsIn allen Abwässern von Kläranlagen ohne 4te Reinigungsstufe, daher in den Flüssen und im Grundwasser in der Nähe zu Flüssen

Ökologische Wirkungswege

• Abwasserpfad: In allen Abwässern von Kläranlagen ohne 4te Reinigungsstufe werden die Arzneimittel (Antidiabetika, Blutdrucksenker, Psychopharmaka, Schmerzmittel und Antibiotika) in den Vorfluter (Oberflächengewässer) geleitet. [2], [3].

• Landwirtschaftspfad: Tierarzneimittel können mit Gülle oder Mist auf Flächen gelangen und über Oberflächenabfluss, Entwässerungsgräben, Dränagen sowie über das Grundwasser weitertransportiert werden [2], [6].

• Wirkungen in Gewässern: Für einzelne Stoffe sind Effekte auf Algen, Wirbellose, Fische und mikrobielle Lebensgemeinschaften beschrieben; bei Antibiotika kommen die Resistenzen hinzu [1], [4].

• Ereignisse mitdenken: Bei Starkregen und Mischwasserentlastungen können zusätzliche Stofffrachten in Gewässer gelangen; dadurch werden Punktquellen und diffuse Einträge gemeinsam relevant [1], [2].

Handlungsansätze

• Richtig entsorgen: Altmedikamente nie in Toilette oder Ausguss geben; lokale Sammelwege oder Problemabfallsammlung nutzen [2], [3].

• Einträge an der Quelle senken: sparsame Verschreibung, gezielter Einsatz in der Tierhaltung und möglichst problemarme Stoffe bevorzugen [1], [3], [4].

• Besser reinigen: Konventionelle Kläranlagen entfernen viele Spurenstoffe nur unvollständig; daher werden technische Nachrüstungen wichtiger [2], [5].

• Regional priorisieren: Im Oberland vor allem Kläranlageneinleitungen, güllegeprägte Einzugsgebiete, Dränstandorte und Übergänge zwischen Oberflächen- und Grundwasser im Blick behalten [2], [5].

Kernaussage

Anthropogene Schadstoffe sind auch im Oberland weit verbreitet. Auch die Tierarzneimittel gelangen in den Wasserkreislauf. Kommunales Abwasser und deren unzureichende Reinigung sind der zentrale Treiber. Wirksam ist nur eine Kombination aus richtiger Entsorgung, weniger Einträgen an der Quelle, kluger Überwachung und besserer Abwasserreinigung [1]-[5].

Abkürzungen

EU = Europäische Union; LfU = Bayerisches Landesamt für Umwelt; UBA = Umweltbundesamt; BVL = Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit; t = Tonnen.

Literatur

[1] I. Ebert et al., Arzneimittel in der Umwelt – vermeiden, reduzieren, überwachen. Umweltbundesamt, 2014.

[2] Bayerisches Landesamt für Umwelt, Spurenstoffe im Wasser. Augsburg: LfU, 2016.

[3] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, „Abgabemengen von Antibiotika in der Tiermedizin sinken weiter“, 2024.

[4] Bayerisches Landesamt für Umwelt, „Arzneimittelwirkstoffe und ihre Metaboliten“, 2026.

[5] Bayerisches Landesamt für Umwelt, Austrag von Tierarzneimitteln aus Wirtschaftsdünger in Sickerwasser, Grundwasser und oberirdische Gewässer. Augsburg: LfU, 2009.


Antropogene Spurenstoffe – Von den Grundlagen bis zu den Details