Landschaftszerschneidung in Bayern
Klima stärken. Habitate erhalten.
Warum das Thema wichtig ist
Der Faktencheck Artenvielfalt ordnet den Verlust, die Verkleinerung und die Zerschneidung von Habitaten als zentrale Ursachen des Biodiversitätsverlusts ein. Besonders problematisch ist, dass viele Monitoringdaten erst einsetzen, nachdem Landschaften bereits stark verändert waren. Die heutige Artenvielfalt startet deshalb häufig von einem verarmten Ausgangsniveau. In der Agrarlandschaft wirkten Flurbereinigung, größere Schläge und die Entfernung von Hecken, Wegrändern und Kleingewässern; an Gewässern unterbrechen Begradigungen, Uferverbau und Wehre natürliche Durchgängigkeit; in Städten gehen durch Nachverdichtung Brachflächen, Industrienatur und andere Sonderlebensräume verloren.
Bayern in Zahlen
Der offizielle bayerische Indikator betrachtet vor allem unzerschnittene verkehrsarme Räume über 100 km2. Ihr Anteil sank in Bayern von rund 39 % im Jahr 1975 auf etwa 20 % im Jahr 1995 und lag 2015 bei rund 22 %. Die LiKi-Daten nennen für Bayern 2015 einen UZVR-Anteil von 21,94 % und eine effektive Maschenweite von 75,43 km2. Je kleiner diese Maschenweite, desto stärker ist die Landschaft zerschnitten. Bayern liegt damit leicht unter dem Bundeswert von 79,95 km2. Die in der Karte genannte 70-%-Botschaft eignet sich als zugespitzter Kommunikationsanker; für fachliche Texte sind UZVR und effektive Maschenweite die belastbareren Kennzahlen.
Wirkung auf Ökosysteme
Zerschneidung wirkt doppelt: Sie nimmt Fläche weg und trennt Restflächen voneinander. Kleine, isolierte Populationen finden schlechter Nahrung, Partner und Ausweichlebensräume. Der genetische Austausch sinkt, Straßenmortalität und Störungen durch Lärm, Licht und Nutzung nehmen zu. Besonders betroffen sind Arten mit großem Raumanspruch, geringer Mobilität oder engen Habitatansprüchen – etwa Amphibien, viele Insekten, bodengebundene Kleintiere, Pflanzen spezialisierter Standorte und störungssensible Vogelarten.
So können wir handeln
- Ich: Zäune durch Hecken ersetzen, Gärten strukturreich gestalten, seltener mähen, regionale Erzeuger unterstützen, die auf ökologische Vielfalt setzen.
- Firmen: Ungenutzte Grünstreifen, Abstandflächen, Fassaden und Dächer zu artenreichen Biotopen entwickeln; Sicherheitszäune tierfreundlich planen; in die Höhe bauen statt neue Fläche zu verbrauchen.
- Kommunen und Politik: Innenentwicklung vor Neubau am Ortsrand, Biotopverbund sichern, Amphibiendurchlässe und Grünbrücken einplanen, Satzungen für naturnahe Gestaltung und ökologische Standards nutzen.
Quellenbasis: Faktencheck Artenvielfalt (Wirth et al., Hrsg., 2024); Karte „Landschaftszerschneidung – Klima stärken. Habitate erhalten“; LfU Bayern/LiKi-Indikator Landschaftszerschneidung.
Kernaussage: Zerschneidung macht aus zusammenhängenden Lebensräumen kleine Inseln. Straßen, Siedlungen, Gewerbeflächen, Bahnlinien, Querbauwerke, Zäune und großflächig monotone Nutzungen trennen Tiere, Pflanzen und ihre Lebensräume. Das schwächt biologische Vielfalt – und damit Leistungen wie Bestäubung, Bodenfruchtbarkeit, Wasserrückhalt, Klimaschutz und Erholung.

